Fallout 4

Willkommen (zurück) im Ödland: Warum Fallout 4 uns einfach nicht loslässt

Es gibt dieses eine Gefühl, das wohl jeder Gamer kennt, der jemals aus der sicheren, sterilen Kälte von Vault 111 ans Tageslicht getreten ist: Die gleißende Sonne brennt in den Augen, der Geigerzähler knattert leise, aber bedrohlich vor sich hin, und vor einem liegt das völlig zerstörte, aber irgendwie wunderschöne Commonwealth. Willkommen in Fallout 4. Auch Jahre nach dem Release hat dieses Spiel eine Faszination, die schwer in Worte zu fassen ist – aber ich versuche es trotzdem mal.

Fallout 4 ist nicht einfach nur ein Rollenspiel, es ist im Grunde ein gigantischer digitaler Spielplatz für Schrottsammler, Hobby-Architekten und Endzeit-Abenteurer. Die Hauptstory rund um die Suche nach dem verlorenen Sohn Shaun ist zwar ein guter Aufhänger, aber seien wir mal ehrlich: Die wahre Magie passiert abseits der markierten Pfade. Es ist dieses ständige „Oh, was ist denn in diesem halb eingestürzten Super Duper Mart?“ oder „Vielleicht finde ich da drüben ja eine seltene Wackelpuppe“, das einen bis tief in die Nacht an den Bildschirm fesselt.

Fallout 4

Ein riesiger Teil der Faszination liegt im endlosen Loot- und Crafting-System. Wenn man plötzlich merkt, dass man sich mehr über einen alten Schreibtisch-Ventilator oder eine verrostete Blechdose freut als über einen Sack voll Kronkorken, dann hat einen der typische Fallout-Loop gepackt. Schließlich braucht man dringend Schrauben und Kleber, um die eigene Power-Rüstung aufzumotzen oder das nächste Geschützturm-Verteidigungssystem für die Siedlung in Sanctuary zu bauen. Preston Garvey wartet immerhin schon wieder mit der nächsten Siedlung, die dringend unsere Hilfe braucht.

Apropos Ausrüstung: Das Arsenal, das einem das Spiel an die Hand gibt, ist absolut absurd und fantastisch zugleich. Vom simplen, aus Rohren zusammengebastelten Gewehr bis hin zu militärischen High-Tech-Waffen ist alles dabei. Wer sein Erlebnis noch erweitern möchte und im Creation Club stöbert, findet noch abgefahrenere Möglichkeiten. Es gibt kaum etwas Befriedigenderes, als das Ödland zu durchkämmen und die nächste Gruppe Supermutanten mit der hart erarbeiteten Argent-Plasmazelle und ein paar gezielten Schüssen elegant zu grünem Schleim zu verarbeiten. Da macht sich das endlose Sammeln von Munition endlich richtig bezahlt.

Fallout 4

Und dann sind da natürlich noch die Begleiter, die das raue Ödland ein ganzes Stück lebendiger und erträglicher machen. Egal ob man mit dem treuen Deutschen Schäferhund Dogmeat durch die verstrahlten Ruinen von Boston streift, sich die herrlich zynischen Sprüche des Synth-Detektivs Nick Valentine anhört oder in dicker Rüstung für die Stählerne Bruderschaft in die Schlacht zieht – man ist nie wirklich allein. Jeder Begleiter bringt seine eigene kleine, oft tragische Geschichte mit, die das riesige Puzzle dieser kaputten Welt vervollständigt.

Am Ende des Tages ist Fallout 4 ein Meisterwerk der Atmosphäre. Es ist rau, es ist dreckig, es ist voller schwarzem, satirischem Humor und es belohnt die Neugier der Spieler auf Schritt und Tritt. Wer sich darauf einlässt, wird hunderte Stunden in dieser radioaktiven Sandbox verbringen, Schrott sortieren, Basen bauen und sich immer wieder in den Weiten des Commonwealth verlieren. Also, schnappt euch euren Pip-Boy, ladet die Plasmawaffen durch und macht euch auf den Weg – das Ödland wartet!