LischKapelle Band-Biografie

Es hat bei uns immer gut funktioniert, wenn wir das machen, was uns gefällt.

Musik, so viel ist sicher, hat ziemlich viel mit Bauchgefühl zu tun. Mit Stimmungen, Gedanken, Emotionen. Manchmal gibt es Gruppen, die dieses Bauchgefühl ganz intuitiv bedienen, ohne viel Mühe oder schöne-Augen-machen. Das mag an ihrer direkten, unverstellten und attitüdenfreien Art liegen, die man beim Zuhören spürt. Und sicher auch daran, dass man manchmal denkt: das sind keine Unterhaltungsdienstleister. Die machen Musik, weil es ihnen mächtig Spaß macht. Und weil sie das mächtig gut können.

So eine Band ist die LischKapelle.

Karin (Gesang, Percussion, Klavier) und Susanne (Gesang, Percussion) Lischka, die beiden Schwestern, von denen die LischKapelle ihren Namen hat, kommen aus dem nördlichen Chiemgau. Ebenso ihre beiden musikalischen Mitstreiter, Andreas Torwesten (Gitarre, Gesang) und Matthias Pürner (Ziehharmonika, Klavier). Die vier kennen sich noch aus der gemeinsamen Schulzeit am Gymnasium Trostberg. Genauso lange spielen sie schon als Band zusammen – zunächst mit Coverversionen aller möglichen Lieblingsstücke, bald auch mit eigenem Material.

Und ganz langsam kristallisiert sich dabei der besondere, eigene Stil der LischKapelle heraus. Die leichten, luftigen Arrangements, ein bisschen folkig, aber durchaus mit Druck. Der Gesang auf Englisch, mit dem sich alle Bandmitglieder schnell wohl fühlen, weil der Klang der Sprache einfach gut zum Klang der Musik passt.

Dabei treffen sich zwei Seiten: die Indie- und Popmusik, mit der alle Bandmitglieder aufgewachsen sind, und das traditionelle bayerische Instrumentarium, das im heimischen Chiemgau verortet ist. Nachdem zuerst meist das Klavier für ein Bass- und Rhythmuskonstrukt zuständig ist, probierten die vier Musiker mit der Zeit aus, wie sich die Steirische Harmonika in den Sound einfügt. Was soll man sagen – sie passt wie ein Handschuh, zaubert Verzierungen in den Sound, die manchmal an ein Chanson erinnern, manchmal an irischen Folk. Sehr eigen, sehr speziell klingt das. Der Bass der Diatonischen stemmt auch einiges im Rhythmusgefüge, das dank des Schlagzeugs, das die LischKapelle seit 2016 verstärkt, felsenfest steht und dafür sorgt, dass der Klang nicht zu lieblich wird. Ab und an gibt es Bläsersätze, die richtig Freude machen. Ja, die Musik der LischKapelle schiebt und ist ungeheuer tanzbar, weil einem eben sofort die Freude in die Füße schießt, wenn man sie hört. Dazu braucht es kein ausuferndes Instrumentarium und keine Spezialeffekte: mit Stimmen, Gitarre, Klavier, Harmonika, Blechbläsern und Drums hat die Band alles, was sie braucht, um einen wunderbar großen, vielfältigen, folkig-weichen und mitreißenden Klangteppich auszurollen.

Die LischKapelle, so sagen die Bandmitglieder, sei eine demokratische Band. Jedes der vier Kernmitglieder hat eine Stimme im Entstehungsprozess neuer Lieder. Da kann es um das Arrangement, die Instrumentierung, die Melodie, den Text, um einfach alles gehen: wenn keine eindeutige Entscheidung gefällt wird, ist der Song nicht fertig. Dann muss nochmal genauer hingeschaut werden, geschraubt, gedreht, gewendet. Das Ergebnis muss allen Vieren gefallen, sonst ist es nicht rund.

Wobei, so richtig vorstellen kann man sich nicht, dass sich die Bandmitglieder uneins sind. Die Harmonie unter den vier Musikern ist so absolut natürlich, dass ein tiefer Graben wahrscheinlich gar nicht entstehen kann. Diskussionen, ja, die wird es geben. Aber man nimmt sie ihnen ab, die Geschichte vom demokratischen Songschreiben. Weil die Kapelle eben auch ein bisschen Familie ist.

Der Spaß, den sie dabei haben, springt über. Weil er eben so ehrlich ist: die LischKapelle gibt es, weil es einfach so gut passt, zwischenmenschlich und musikalisch. Weil alle Bandmitglieder auf ihr Bauchgefühl hören. Das ist stimmig und sehr, sehr gut.

2013 wird das erste Album veröffentlicht, „08621“, eine charmante Reminiszenz an den Heimatort Trostberg, dessen Telefonvorwahl man so nicht mehr vergisst. Dem vorangegangen ist eine spannende, komplett in Eigenregie umgesetzte Produktionszeit. Dabei hat die LischKapelle zum einen Unterstützung durch die private Fachhochschule Macromedia, kurz MHMK, deren „House of Music“ – Contest die Lischkapelle 2012 gewinnt. Zum anderen werfen sich die Fans ins Zeug: rund 6.000 Euro werden in einer Crowdfunding-Kampagne für die Albumproduktion gesammelt.

Im Anschluss wird die LischKapelle in das BYon-Förderprogramm für bayerische Rock- und Popbands, getragen vom Wirtschaftsministerium, aufgenommen. Im Rahmen eines der in der Förderung beinhalteten Coachings für junge Musiker lernt die Band Dominik Scherer kennen, der das zweite Album „How We Struggle“ aufnimmt, das Anfang 2017 auf den Markt kommt. Dafür gab es wieder mächtige Unterstützung aus der immer größer werdenden LischKapellen – Community: über 10.000 Euro wurden via Crowdfunding für die Veröffentlichung von „How We Struggle“ gesammelt – innerhalb kürzester Zeit.

Wer die Lischkapelle kennt, der weiß: das lohnt sich. „How We Struggle“ ist eine ganz wunderbare Platte geworden. Ein paar neue Klangfarben sind hinzugekommen, melancholischere, Bavaro Indie im „Mood Indigo“. In den Texten geht es um Themen, die  den vier Musikern am Herzen liegen: Ansprüche, Zeitdruck, die Flüchtigkeit der schönen und unbeschwerten Momente. Die Euphorie der ersten Unabhängigkeit von „dahoam“ ist verklungen. Neue Leidenschaften haben sich entwickelt. Ein bisschen ernster klingt das als der fröhliche, verspielte Vorgänger. Ein bisschen erwachsener, vielleicht. Aber immer noch, und mehr denn je: wie die Lischkapelle. Die macht, was ihr gefällt.

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