Kolumne

Wie viel ist ein Leben wert?

Germanwings 4U9525

Germanwings-Flug 4U9525 ist nicht einfach nur abgestürzt. Das Flugzeug wurde bewusst vom Himmel geholt. Für die Angehörigen der Opfer ist es eine besonders schwierige emotionale Situation. Die Menschen sind weder eines natürlichen Todes gestorben noch war es ein Unfall. Betrachtet man die Angelegenheit einmal nüchtern, war es Mord, genau genommen Massenmord.

Aber das scheint für die Berechnung der Entschädigung für deutsche Angehörige nicht in Betracht zu kommen. Denn Deutsche kennen keine emotionalen Verluste. Zumindest wenn es nach der Rechtsprechung geht. Danach ist ein Flugzeugabsturz nicht anders zu bewerten als eine normale Todesnachricht. Deutsche sind eben besonders hart im Nehmen. Nur die Harten kommen in den Nicht-Abfindungsgarten. Und so dürfte ein standarddeutscher Hinterbliebener schon mit den bereits gezahlten 50.000 Euro Soforthilfe abgefunden sein. Ganz anders dagegen die „emotional labilen“ Amerikaner. Denen muss die Lufthansa wohl geschätzte 6,5 Millionen Dollar zahlen, damit diese sich von dem emotionalen Schaden erholen.

Die Mehrklassengesellschaft gibt es also nicht nur an Bord, sondern auch im Angehörigen-Leben danach. Die Staatsangehörigkeit entscheidet also, wie viel ein Menschenleben wert ist. Geahnt haben wir das ja schon immer, aber bei Germanwings-Flug 4U9525 wird es richtig offensichtlich. Bleibt zu hoffen, dass die Lufthansa sich nicht auf deutsche Gesetze beruft, die jeder Art von Rechtsverständnis widersprechen.

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