Kolumne

Geboren um zu sterben…

Küken

… oder: Wenn der Mensch Gott spielt

Es geht im Moment durch alle Medien. In Deutschland werden jedes Jahr 45 Millionen Küken nach dem Schlüpfen vergast oder bei lebendigem Leib geschreddert. Der Grund dafür: diese Küken sind männlich und legen keine Eier.

Also ich bin ja nun wirklich nicht der Mensch, der wegen Tierschutz zum Veganer werden würde. Veganische Lebensweise ist in meinen Augen gegen die Natur. ABER! Ja, jetzt kommt das berühmte, große ABER. Das sinnlose Töten von Millionen Tieren ist genau so wider die Natur. Es passt allerdings sehr gut in die Natur des Menschen. Der, um seinen Reichtum und seine Macht zu vergrößern, alles unterdrückt oder tötet, was sich ihm in den Weg stellt. Erbarmungslos… für Geld. Wir rennen ein ganzes Leben dem Geld hinterher und vergessen dabei das Wichtigste: zu leben.

45 Millionen qualvoll gestorbene Küken. Und ich stell mir gerade die Menschen vor, die in solchen Firmen die Drecksarbeit machen. Natürlich auch für Geld. Ich stelle mir vor, wie diese Leute mit ihren Kindern über den Ostermarkt schlendern und vor einem Gehege mit kleinen Küken stehen bleiben. Während die Kinder die kleinen Hühner total süß finden, schauen Mama oder Papa erst mal mit süffisantem Lächeln nach, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.

Ich stelle mir die Frage, wer sich solche Massenvernichtungsanlagen ausdenkt. Für Geld natürlich. Aber da haben wir Deutsche ja Erfahrung… historische Erfahrung. Es ist noch kein Menschenleben her. Diesen Gedanken denke ich besser nicht zu Ende.

Keine Achtung vor dem Leben zu haben, ist sicher kein deutsches Phänomen. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole. Aber es ist überall dort zu finden, wo es um Geld, Macht und Ehre geht. Bei den Menschen ist es übrigens genau umgedreht als bei den Hühnern. In vielen Kulturen ist es eine Schande, wenn einem Mann eine Tochter geboren wird. Und oft genug müssen die Mädchen diese Tatsache mit dem Leben bezahlen. Sehr früh und sehr brutal.

Die Erkenntnis von Agrarminister Schmidt, dass diese Praxis geändert werden muss, kommt pünktlich vor dem Osterfest. Küken sind in, Eier sind in. Und kein Kind soll in Zukunft so einen gelben Flauscheball in der Hand halten und sich vorstellen müssen, wie dieser zerschreddert oder vergast wird. Die Lösung kommt aus dem Osten und lautet: Geschlecht im Ei bestimmen und Ei vor dem Schlüpfen vernichten. Das ist dann so etwas ähnliches wie Abtreibung für Hühner. Immerhin ein Anfang.  Ja und nun die schlechte Nachricht für alle Fans von billigen Supermarkt-Eiern. Die Eier werden deswegen teurer. Pro Ei muss man dann ca. 2 Eurocent mehr einkalkulieren.

Bei mir gibt es ab sofort keine Eier aus dem Supermarkt mehr. Ich will keine Eier, die von den Überlebenden eines Massakers stammen… und schon gar nicht gefärbt… und nicht für die Kinder. Die Eier vom Bauern nebenan sind teuer. Er muss schließlich auch die männlichen Küken durchfüttern. Also geben wir diesen doch eine Chance. Die Chance zu leben…

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