Kolumne

Asyl vs. Hartz IV

Asyl vs Hartz IV

Samstag Abend – und es tobt ein Kampf. Wie Tiger umkreisen sich die Kontrahenten auf der Jagd nach dem billigsten Brot- und Fleischangebot. Halb acht beginnt der Kampf im Supermarkt. Gab es früher nur wenige, die auf die reduzierten Angebote im Markt angewiesen waren, so ist jetzt eine neue Gruppe dazu gekommen: Asylbewerber, die noch weniger Geld zur Verfügung haben, als diejenigen, die von Hartz IV leben müssen. Wenn ein 99-Cent-Brot nur noch 25 Cent und ein 24-Cent-Brötchen nur noch 6 Cent kosten, schlägt die Stunde derer, die aus den großen Krisenherden unserer Welt nach Europa kamen. Gegenüber den konventionellen samstäglichen Schnäppchenjägern können diese jedoch mit einigen Vorteilen trumpfen, die das Überleben für die kommende Woche sichern. Und vielleicht die Möglichkeit eröffnen, für die Kids auch mal was anderes zu kaufen, als nur Essen. Wobei regelmäßiges Essen für viele schon das Paradies auf Erden ist. Vielleicht ist es ja wirklich der gewohnt-tägliche Kampf um das nackte Überleben, der diese Menschen schwarmhaft in dieser Präzession vorgehen lässt. Wer es als erster im Einkaufswagen hat, hat gewonnen. So mancher Deutscher, der auf staatliche Unterstützung angewiesen ist, bleibt dabei auf der Strecke. Sehr zum Leidwesen derer, die dafür heute ein Bier weniger im Wagen haben.

Ich habe mich oft gefragt, warum die Kinder von Asylbewerbern (Ich hasse dieses Wort. Genau wie Hartz IV-Empfänger.) ziemlich oft in neuen Markenklamotten herumlaufen. Und ich glaube dem Mädchen, das mir in noch unbeholfenem Deutsch erklärt, dass sie noch nie so eine Jeans hatte. Ich sehe, wie stolz sie darauf ist und höre das unterdrückte Stöhnen ihrer Mutter. Ja, das ist wohl wirklich etwas ganz besonderes. Ich muss an die deutschen Kinder denken, die in den Klamotten aus den Kleiderkammern oder denen ihrer Geschwister rumlaufen müssen. Ungerechte Welt? Pegida? Islamisierung? Für den Anfang würde es sicher reichen, Bier, Schnaps und Zigaretten aus dem sozialen Einkaufswagen zu verbannen. Dann könnten auch mehr deutsche Kinder in Markenjeans herum laufen. Auch wenn es vielleicht ihre einzige ist…

Zum Kommentieren klicken

Schreibe einen coolen Kommentar

Populär

Nach oben
%d Bloggern gefällt das: