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Wenn der Staatsschutz zweimal klingelt

Digitale Sicherheit

Das FBI hat einen Hacker engagiert, um das Handy der Attentäter von San Bernadino zu knacken. Apple hatte sich zuvor trotz Gerichtsbeschluss geweigert, das iPhone zu entsperren. Laut amerikanischen Medien könnte der Hacker mehr als 1 Million US-Dollar kassiert haben. Jetzt verlangen diese im Namen der amerikanischen Öffentlichkeit Aufschluss über den Namen des Hackers und die gezahlte Summe.

Natürlich. Wer die Steuergelder hat, kann sich das ja leisten. Im Namen der Sicherheit ist ja heute nahezu alles möglich. Nachrichtendienste und Politiker überschreiten permanent ihre Kompetenzen und alle schauen hüstelnd zur Seite. Ginge es nach diesen Leuten, wäre der Datenschutz schon längst abgeschafft worden. Sie spielen Gott in einer Welt, in der Götter einen sehr schlechten Ruf haben und man am liebsten nichts mehr mit diesen Allmächtigen zu tun haben will.

Da stellt sich die Frage, ob so etwas auch in Deutschland möglich ist. Beantwortet wird diese Frage schon durch die NSA-Affäre und die Verwicklung des BND darin. Wir können zehn Mal darüber debattieren, wie demokratisch wir sind und wie sehr wir den Schutz der persönlichen Daten eines jeden einzelnen respektieren: Nachrichtendienst bleibt Nachrichtendienst. Dabei ist es völlig egal, wie ob er BND, MfS oder CIA heißt. Um ein Ziel zu erreichen, werden sie immer Himmel und Hölle in Bewegung setzen und mit vollen Händen in den Steuertopf greifen. Die gigantischen Budgets der Nachrichtendienste haben eine sehr unschöne Nebenwirkung. Die Dienste laufen Gefahr, sich zu verselbständigen. Oft wissen die verantwortlichen Politiker selbst nicht einmal, was wirklich hinter den Kulissen passiert.

Jeder deutsche Bürger hat das Recht auf Schutz seiner persönlichen Daten. Und – ehrlich und ganz deutlich gesagt – gehen diese Daten den Staat und seine Diener auch einen Scheiß an. Es werden trotzdem jeden Tag permanent Daten gesammelt und zwischen den einzelnen Dienststellen verknüpft. Der transparente Mensch ist keine Zukunftsvision mehr, er ist bereits allgegenwärtig. Möglich war das unter anderem, weil wir oft verantwortungslos mit unseren Daten umgehen. Wir schützen diese zu wenig. Nicht ohne Grund hatten Burgen früher meterdicke Mauern. Sie schützten die Menschen vor Angreifern. Genau solche Mauern benötigen wir heute in digitaler Form, um uns vor den Machenschaften des Staates und der Wirtschaft zu schützen. Die unter dem Deckmantel der Sicherheit unsere eigene Sicherheit und Freiheit gefährden. Wenn wir alle nur ein bisschen mehr in unseren Schutz investieren und eine dicke, digitale Mauer um uns herum errichten, werden es uns unsere Kinder danken. Denn wenn wir nichts tun, werden diese in eine Schnüffel- und Offenbahrungswelt hineingeboren, von deren Ausmaßen wir heute nicht einmal ansatzweise eine Vorstellung haben.

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