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Und weiter geht’s

San Jose

Bis Ende September hat Enni nun erst mal frei… Sommerferien sozusagen 🙂 Und jetzt, wo ich so ein wenig zur Ruhe gekommen bin, gleiten die Gedanken dann schon mal in die Vergangenheit ab. Die letzte Nacht hatte etwas horrormäßiges an sich. Schlaflos in Luton. Und das ennische Gehirn quatscht dreistimmig. Anne, wieder Anne und nochmals Anne… Ich habe es zwei Monate verdrängt… Es war nur eine Frage der Zeit, dass es wieder hoch kocht…

Gosh! Ich weiß noch als sie zu Nicole und mir in die WG in der Schlesingerstraße gezogen ist. Ein Mauerblümchen… ein Dornröschen, welches danach gierte, aus ihrem Winterschlaf erweckt zu werden. Und als sie dann wirklich aufwachte, war es die Geburtsstunde von “Le trio infernal”. Und die KTV gehörte uns… 🙂 LT, ST, Diesseits, Café Central… und Silvester war Vorglühparty auf dem Dobi… Es gab irgendwie eine Verbindung zwischen Anne und mir, unsichtbar, aber immer da. Sagte die linke Hand A, sagte die rechte Hand auch A. Es war ein deutsch-britisches Konglomerat der Superlative. Und wir waren chronisch pleite. Ich musste Studiengebühren und Wohnung selbst bezahlen und Anne brauchte ständig neue Klamotten und Schuhe… Sie hatte einen Faible für Schuhe. (Als sie zu ihrem Mann nach Amerika gezogen ist, hat sie locker einen halben Container gefüllt 🙂 ) Also brauchten wir mehrere Jobs. Wir haben als Kellner zusammen gearbeitet und parallel bei Big D im Support. Anne war immer der Ruhepol, der das ennische Temperament kompensierte. Und ehrlich gesagt, hat sie damit nicht nur einmal den ennischen Hintern gerettet. Gosh, ich weiß noch, einmal hatte ich mich mit Big D böse in der Wolle. Und irgendwie ist mir dabei dieses Wessi-Schinder rausgerutscht. Wäre Anne nicht gewesen, ich hätte ihn wohl niemals wieder gesehen.

Nachdem ich das Studium abgebrochen hatte, bin ich ans National Airline College. Wir haben uns nicht mehr so oft gesehen. Ich kann heute nicht mehr erklären warum, aber ich wollte es für mich behalten. Anne hat meinen Part übernommen. Sie hat getwittert, mit meinen Facebook-Freunden interagiert und gemeinsam mit Big D die ennischen Blogs am Laufen gehalten. Ich kam nur alle drei Monate mal nach Hause. Aber dieses eine Mal werde ich niemals vergessen. Ich war mit Big D im Alten Fritz. Irgendwann rief Anne an und meldete sich aus dem Support ab. Sie hatte eine ziemlich eklige Erkältung, konnte kaum noch sprechen. Nicole ist schließlich eingesprungen. Ich weiß es nicht mehr genau, aber so ca. 2 Stunden später rief Nicole völlig in Panik an, dass Anne glüht und nicht mehr ansprechbar wäre. Ich mit Big D dahin. Dieses Bild werde ich niemals vergessen. Anne lag völlig regungslos im Bett, murmelte manchmal unverständliches Zeug. Ich glaube, an diesem Tag hatte ich zum erstem Mal in meinem Leben richtige Panik. Wir haben sofort den Notarzt angerufen. Die waren aber alle ziemlich beschäftigt, da es einen ziemlich bösen Crash auf der A19 gegeben hatte. Und es hat gedauert… zwei Stunden, drei Stunden… und Anne ging es immer schlechter. Wir haben ihr Aspirin eingeflößt, Wadenwickel gemacht… und es ging trotzdem noch schlechter. Irgendwann stand dann wirklich der Notarzt vor der Tür und hat sie gleich mitgenommen. Scheiße, hatte ich eine Angst… Die Ärzte in der Südstadt haben sie wieder auf die Beine gestellt. Hinterher hat sich dann herausgestellt, dass es keine Erkältung, sondern eine Influenza war. Und seitdem hat sich Anne regelmäßig ihren Grippe Shoot abgeholt… 🙂

Der Lindenpark in Rostock war der Hammer. Dort haben wir immer unsere Runden gedreht, um überschüssige Pizza- und Schnitzelkalorien in Wärmeenergie umzuwandeln. Und auch später, wenn Enni in Rostock war, haben wir uns dort abgeschunden… Naja und dann war da plötzlich dieser Ast. Ich habe ihn nicht gesehen, aber umso ausgeprägter gespürt… Ok… von vorne… Was besagt eine alte Regel? Beim Laufen quatscht man nicht! Haben wir trotzdem gemacht. Und so war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass sich meine angeborene Ungeschicktheit in Bodennähe auf den ennischen Kopf auswirkte. In Form eines 15 cm Astes, der meinen Kurs kreuzte. Anne hat mich seit dem immer mit Tonks verglichen. Steht irgendwo was in der Gegend rum, so gehört es meinen Schienbeinen…

Das absolute Highlight war aber ein Exhibitionist im Lindenpark. Keine Ahnung, wir waren vielleicht in der 5. Runde, als plötzlich irgendwas aus den Büschen sprang und seine jämmerliche Männlichkeit enthüllte. Ich weiß, normalerweise ist sowas nicht lustig. Und wir haben uns wirklich richtig erschrocken. Aber als wir diesen Discounter-Spargel gesehen haben, war’s irgendwie vorbei mit der Übeltäterei… wir mussten so lachen… diese jämmerliche Gestalt und dann diese Camembert-Möhre… Und der Typ war wie erstarrt… als hätte ihn jemand mit Petrificus Totalus verhext… fünf Sekunden hat er gebraucht, dann hatte ihn die Realität wieder. Und er ist gerannt… und wir beide hinterher… Gosh, ich glaube, der Typ musste sich hinterher die Unterhosen auswaschen… 😀

Ich konnte mir nie ein Leben ohne Anne vorstellen. Sie war immer irgendwie um mich rum. Als ich in Frankreich war und später dann wieder in Australien… wir haben fast jeden Tag telefoniert. Wir haben zusammen mit meinen Twitter Followern unsere Spielchen gemacht. Nick, meine kleine Sonne, kann da sicher ein Lied von singen… oder Doc D… und Schöpferli… Und sie war immer da, wenn es mal irgendwo klemmte. Paula wurde an einem ziemlich ungünstigen Zeitpunkt geboren. Ich war neu, konnte meinen Flugplan nicht ohne weiters ändern und Big D kämpfte mit seinem Morbus Menière… Anne hat nicht eine einzige Sekunde überlegt… und dann war Paula ein paar Wochen bei ihr in San José…

Anne war richtig glücklich dort… sie hat geheiratet, die beiden haben sich ein Haus gekauft und sie war schwanger… Und dann rast sie viel zu schnell und ungebremst auf der Interstate 280 in den Gegenverkehr. Ausgerechnet an einer Stelle, an der es keine Leitplanken gibt. Es gab keine Bremsspur, das Auto war völlig intakt und die Obduktion hat auch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen ergeben… Ich habe dieses Bild nie wirklich gesehen, aber es hat sich in meinen Kopf gebrannt… die Unfallstelle, die verstreuten Trümmer und dazwischen irgendwo Anne… 🙁

Als die Nachricht von Anne’s Tod hier am 6. Juni reinflatterte, war ich wie paralysiert… Es war der größte Schock meines Lebens… meine beste Freundin… das war absolut unmöglich. Ich musste eine Woche lang am Boden bleiben… Es ging einfach nicht. Die ennischen Flügel waren wie gelähmt… Und ich musste Paula’s Frage beantworten, warum sie nicht mehr zu Tante Anne kann…

Anne, ich weiß nicht, wo genau Du bist… irgendwie über mir wahrscheinlich… aber Du wirst immer meine beste Freundin sein… Danke für alles! Ich kann es nicht wirklich mit Worten ausdrücken… Ruhe in Frieden, richte liebe Grüße an Granny aus… und irgendwann sehen wir uns wieder… RIP!

Deine beste Freundin Enni…

Update: Die Polizei schließt inzwischen Suizid und Fremdverschulden aus… Was wirklich passiert ist, werde ich wohl nie erfahren…

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