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Thüringer Kuchenbombe

Regionalexpress

Ein Zug, zwei südländisch aussehende junge Männer mit schwarzen Haaren und dunklem Teint und ein zurückgelassenes Päckchen – mehr braucht es nicht, um in Deutschland einen Zug zu räumen. So passiert am Samstag Abend im Regionalexpress Erfurt-Gera. Nachdem eine Reisende die DB-Sicherheit über das offensichtlich bewusst zurückgelassene Paket informiert hatte, wurde erst das entsprechende Abteil und später, im Bahnhof Stadtroda, der gesamte Zug geräumt. Der eingesetzte Sprengstoffspürhund erschnüffelte nichts gefährliches. Beim Öffnen fand die Polizei zwei in Alufolie verpackte Stück Kuchen.

Nun fahre ich ja eigentlich nie mit dem Zug. Aber ich weiß von Berichten her, dass südländische Reisende in Zügen durchaus ein mulmiges Gefühl auslösen können. Tragen sie dann noch einen Bart und sehen ansatzweise muslimisch aus, kratzen unsere Gefühle bereits an der Obergrenze des Erträglichen. Bis zu purer Angst ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Wir sind hypersensibilisiert. Unser Kopf spiegelt das wieder, was uns Tag für Tag von den Medien um die Ohren gehauen wird. Durch die neuen Techniken wie Internet oder Smartphone- und Tablet-Apps erreichen uns die Horrormeldungen dieser Welt sehr viel schneller als früher. Bilder aus Krisengebieten oder von den Gräueltaten des IS flimmern in überdimensionaler Größe über unsere modernen, fast 90 Zoll großen SUHD Smart-TVs. Wir stehen nicht mehr vorm Zeitungskiosk und diskutieren über die Bilder einer Zeitung. Wir stehen mit beiden Beinen fest in diesen Horrorszenarien. Wir lesen nicht mehr nur darüber, wir erleben es – jeden Tag neu. Verlassen dann zwei südländisch aussehende Männer einen Zug und lassen ein Paket zurück, ruft unser Gehirn all die Informationen ab, die wir jeden Tag abspeichern.

Natürlich stehen Sicherheit und Prävention an oberster Stelle. Oder mit anderen Worten: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Und man tut gut daran, besagten Elefanten dort nicht hinein zu lassen. Aber es zeigt uns auch, wie anfällig und verletzlich wir geworden sind. All die Dinge, die weitab von Deutschland passieren, sind fester Bestandteil unseres Lebens geworden. Gerade in einer Zeit, in der Asylsuchende zu Tausenden aus den Krisenregionen unserer Welt nach Deutschland strömen, ist das eine denkbar schlechte Voraussetzung für ein problemloses Miteinander ohne gegenseitiges Misstrauen.

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