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Take-off und andere Katastrophen

Take-off und andere Katastrophen

Der Traum vom Fliegen ist wahr geworden. Aber wie die Menschen nun einmal sind, passt ihnen das auch wieder nicht so richtig. Der Abstand von Flight Level 400 bis zum rettenden festen Boden ist doch ziemlich groß

Der Traum vom Fliegen ist wahr geworden. Aber wie die Menschen nun einmal sind, passt ihnen das auch wieder nicht so richtig. Der Abstand von Flight Level 400 bis zum rettenden festen Boden ist doch ziemlich groß, Luftstraßen sind manchmal ziemlich holprig und wenn sie sich mal kreuzen, gibt es weder Verkehrsschilder noch Ampeln.

Und so gibt es kaum eine menschliche Fortbewegungsart, die mehr Ehrfurcht gebietet als das Fliegen. So mancher Zeitgenosse, der normalerweise unter einem enormen Übermaß an Selbstbewusstsein leidet, schrumpft beim Einsteigen in ein Flugzeug in Sekunden auf mikroskopisch kleine Dimensionen und kann so ganz bequem jeder Fliege in die Augen sehen…

Getreu dem Motto: „Der Bauer erkennt seine Schweine am Gang“ erkennt man mit einem aufmerksamen Blick durch die Kabine sofort, welcher Passagier zu welcher Kategorie gehört.

Erst- und Wenigflieger erkennt man in der Regel daran, dass sie nur ein Startbonbon und eine Zeitschrift nehmen, ihr Handgepäck nicht richtig verstaut kriegen, sich neugierig in der Kabine umsehen, interessiert die Sicherheitshinweise studieren und sich sogar bei Inlandsflügen mit wachsender Begeisterung und unter gelegentlichem Applaus die Schwimmwesten-Show ansehen. British Airways bietet diese daher auch auf innerdeutschen Flügen wieder an.

Vielflieger dagegen lümmeln mit übereinander geschlagenen Beinen lässig in ihrem Sitz, polieren ihre Schuhspitzen am Sitz auf der anderen Gangseite, lesen Zeitung oder blättern gelangweilt in einem Magazin. Gelegentlich werfen sie einen „wann-geht-es-denn-endlich-los“-Blick auf die Uhr.

Mitfliegende Piloten erkennt man eigentlich sofort. Sie leiden häufig unter Schweißausbrüchen, klammern sich mit weißen Knöcheln an den Armlehnen fest und werfen panisch-flackernde Blicke aus dem Kabinenfenster. Das „Mitfliegersyndrom“ ist in Pilotenkreisen weit verbreitet und nur schwer behandelbar.

Bei Starts in den frühen Morgenstunden leiden viele Passagiere unter einer Art vorgezogenem Jetlags. Sie sind unausgeschlafen, mufflig und stänkern mit der Kabinencrew. Hier hilft in vielen Fällen nur ein frischer, motivierender Spruch, um den chronischen Morgenmuffeln dann doch endlich auf die Beine zu helfen:

„Sollte der Druck in der Kabine sinken, fallen automatisch Sauerstoffmasken aus der Kabinendecke. Hören Sie auf zu schreien, ziehen Sie die Maske zu sich heran und platzieren Sie sie fest auf Mund und Nase. Wenn Sie mit einem kleinen Kind reisen, ziehen Sie erst Ihre eigene Maske auf und helfen anschließend dem Kind. Wenn Sie mit zwei kleinen Kindern reisen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt zu entscheiden welches Sie lieber haben.“ (Air Berlin)

Das hebt die Stimmung in der Kabine dann gleich gewaltig an. Besonderes Augenmerk sollte man dabei den Rauchern zukommen lassen. Diese sind bereits Stunden vor dem Abflug gestresst und kauen, in Erwartung eines mehrstündigen Verzichts auf die Redoxreaktion ihres geliebten Nikotinstängels, verzweifelt auf ihrem Kaugummi herum. Also lassen wir heute doch einfach den Toiletten-Rauchmelder-Hinweis weg und ersetzen ihn durch ein wenig Kultur:

„Wir weisen darauf hin, das es sich um einen Nichtraucherflug handelt. Für die Raucher unter Ihnen öffnen wir nachher unsere Terrassen links und rechts und zeigen Ihnen dort den Film ‘Vom Winde verweht’.“ (Air Berlin, München-Berlin)

Viele Passagiere sind ziemlich unaufmerksam. Statt auf die Sicherheitshinweise zu achten, gucken sie in der Gegend herum, kämpfen verzweifelt mit dem Verschluss ihres Sicherheitsgurts oder lernen beim Studieren des Playboys gerade, dass sich dreidimensionale Körper auch in zwei Dimensionen exzellent darstellen lassen. Für die Kabinencrew ist das oft ziemlich ärgerlich. Aber mit ein wenig Kreativität kann man durchaus die Aufmerksamkeit der Passagiere auf sich ziehen. Und dieser Trick funktioniert nicht nur auf dem Flug von Nürnberg nach Teneriffa:

„Sehr geehrte Fluggäste, wir haben soeben erfahren, dass sich ein paar Passagiere an Bord befinden, die einen Flug nach Teneriffa gebucht haben… die sitzen dann wohl in der falschen Maschine… Bitte einmal die Hand heben, wer nach Teneriffa will…“

Also ich garantiere, dass die Kabinencrew bereits wenige Sekunden nach dem bordweiten Einschießen von Adrenalin in die Pax-Blutbahn zum gefragtesten Ansprechpartner auf dem Vorfeld wird. Da aber andererseits zuviel Adrenalin im Passagierblut leicht gesundheitliche Schäden beim Start nach sich ziehen kann, sollte das gleich wieder mit einer beruhigenden Ansage kompensiert werden. Das hebt dann auch das Ansehen der Airline um einige Prozentpunkte an. Also einmal dynamisch aufs Mikro klopfen und und die Adrenalin-Gegenmaßnahme einleiten:

„Na, wenn es doch so viele sind, dann fliegen wir eben nach Teneriffa.“

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