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Plattenbausiedlung

Plattenbau

Plattenbausiedlungen sind hässlich. Waren sie einst die Endlösung sozialistischer Wohnungsbaupolitik, will dort heute keiner mehr Wohnen. Ganze Eingänge stehen leer und posaunen diese Botschaft in die Welt hinaus. 30 Jahre alter, unsanierter Beton wirbt nicht unbedingt für mehr Bewohner. Wer hier noch wohnt, ist entweder geblieben oder wurde von Staats wegen hierher verbannt – Rentner, Hartzies, Studenten und Flüchtlinge. Die Mieten sind billig, der Alkohol auch.

Der Plattenbaunachbar, der vor 30 Jahren im Unterhemd den Trabant jedes Wochenende vor der Haustür gewaschen hat, kennt dich nicht mehr. Dank einer hohen Untertagerente hat er jetzt eine Eigentumswohnung, fährt einen BMW und trägt Jack Wolfskin. Plattenbaubewohner gehören nicht mehr zu seinen Freunden.

Wo kaum noch Menschen leben, verschwindet auch sukzessive die Infrastruktur. Es gibt keinen Frisör, keine Kneipe und zum nächsten (und einzigen) Supermarkt kommt man nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln – für 4 Euro hin und zurück. Dafür gibt es massenweise freie Parkplätze, keine Staus an den Ampeln und jede Menge Kriminalität.

Wenn sich der Mensch zurückzieht, holt sich die Natur das geliehene Land zurück. Waren die „Neubaugebiete“ nach ihrer Fertigstellung öde Schlammschlachtareale ohne Baum und Strauch, so sind sie jetzt grüne Oasen am Rande der Stadt. 30 Jahre alte Bäume, Sträucher und Rasen ohne Ende. Im Frühjahr blühen die Kirschbäume und Forsythie färben das ganze Viertel gelb. Vögel tummeln sich darin. Und auf dem Rasen, auf dem früher Kinder spielten, sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht. Trotzdem will keiner hier wohnen. Oder gerade deswegen…

Auch die Flüchtlinge, die einen Plattenbau einem zerbombten Wohnhaus in Damaskus vorzogen, verschwinden wieder. So etwas hatten sie sich nicht unter dem wohlhabenden Deutschland vorgestellt. Für sie ist der Osten keine Alternative und so setzen sie sich in den Westen ab. Irgendwo dort findet sich schon ein Verwandter oder Bekannter.

Diese Plattenbausiedlung ist das Symbol einer verfehlten Wiedervereinigung. Ein öder und verfallender Zeitzeuge  ohne Perspektive, der die ostdeutsche Armut widerspiegelt. Aber die will keiner sehen.

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