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Piggy

Piggy

Viele sagen ja, dass sie sich kaum an ihre Kindheit erinnern können. Bei Enni funktioniert das eigentlich sehr gut. Vielleicht liegt es ja daran, dass es noch gar nicht so lange her ist…

Auch an den ersten ennischen Ausflug in die große Welt erinnere ich mich noch sehr gut. Ende März 1990 stellte ich plötzlich fest, dass es nicht nur Luton und London gibt. Da draußen gab es noch viel coolere Orte…

In den ersten Jahren Jahren sind Mom und Dad immer alleine verreist. Lily und ich mussten dann immer bei Granny bleiben. Granny war very britisch und ziemlich konservativ. Wir mussten Kleider tragen, Röcke, Lackschuhe… Es war einfach grauenvoll. Lil hat sich immer wie eine Prinzessin gefühlt. Irgendwann in dieser Zeit habe ich dann den Entschluss gefasst, dass ich später lieber keine Prinzessin werden will. Dieser Beruf war voll uncool…

In diesem Jahr sollte aber alles anders werden. Dad hatte einen neuen Job in Hamburg bekommen und die ersten Gerüchte, dass wir in ein paar Wochen nach Deutschland ziehen würden, drangen an die ennischen Ohren. Ich hatte absolut keine Ahnung, wer, was oder wie dieses Deutschland überhaupt war. Genaugenommen interessierte es mich aber auch nicht. Das war noch weit weg. Viel interessanter war eigentlich, dass Enni’s erste große Reise unmittelbar bevor stand. 2 Wochen Australien. Selbst die Tatsache, dass die kleine Nervensäge auch mitkam, nahm ich dafür in Kauf.

Und so schaukelten wir an einem grauen und eklig kalten Morgen in Granny’s Bentley nach London zum Airport. Die Fahrt dahin dauerte ewig und ich dachte schon, dass ich in diesem Auto sterben würde… Wir mussten ein paar mal anhalten, weil mir von der Schaukelei ständig schlecht wurde und Granny Angst um ihre original englischen Sitzbezüge hatte. Durch ein paar wundersame Fügungen des Lebens sind wir aber schließlich doch noch in Heathrow angekommen.

Das Flugzeug war das faszinierendste, was ich bis dahin gesehen hatte. Ich stand in der Tür, überall summte es, es roch komisch und es gab Schokolade. So viele Menschen hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen. Und alle passten in dieses Flugzeug rein. Ich hatte sogar einen eigenen Platz und musste nicht, wie in der Tube, auf Dad’s Schoß sitzen. Dad hat mir später erzählt, dass es eine 747 von British Airways war und dass Mom vor Angst fast gestorben wäre. Dabei war es gar nicht schlimm. Ab und zu wackelte das Flugzeug etwas und manchmal ging es plötzlich ein paar Meter abwärts. Das war lustig… und es hat im Bauch gekitzelt. Nachdem wir in Sydney gelandet waren, habe ich Dad gefragt, ob wir gleich noch mal fliegen können. Aber Mom war dagegen…

Außer dem Flug gibt es nur noch wenig, woran ich mich erinnere. Es gab Kängurus, Koalas und am liebsten hätte ich die alle mit nach Hause genommen. Und dann gab es Piggy… Dieser Kakadu war nicht nur beängstigend groß, er war auch ziemlich frech und hat die ennischen Nerven ziemlich arg strapaziert. Seinen Namen hat Piggy von Mom bekommen, nachdem er Enni mit seinen Exkrementen „beworfen“ hatte. Und dann war da noch die Enni-Piggy-Schreiorgie nachdem Piggy versucht hatte, meinen Kopf zum Kakadu-Landeplatz umzufunktionieren. Dabei verhedderte er sich mit seinen Krallen in den Haaren und fing an, ohrenbetäubend zu kreischen. Kakadu-Krallen machen richtig Aua… wir haben dann im Duett geschrien. Unsere Arie muss man noch in Queensland gehört haben. Enni zu ärgern, war Piggy’s Lieblingsbeschäftigung. Man konnte diesen Vogel keine Minute aus den Augen lassen. Entweder zerrte er an den Pigtails oder kniff mir plötzlich ins Ohr.

Jetzt, 21 Jahre später, ist auch Piggy ein wenig in die Jahre gekommen. Und er ist inzwischen „verheiratet“. Aber frech ist er immer noch… und auch wenn die Pigtails mittlerweile Geschichte sind, seine Vorliebe für die ennischen Ohren hat er bis heute nicht verloren…

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