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Keine Street-View-Updates

Casa Maria - Valle Gran Rey

Fünf Jahre ist es bereits her, dass die schwarzen Google-Vans durch Deutschland rollten und Fotos von Straßen und Plätzen machten. Doch auch jetzt, im Jahr 2015, sind viele deutsche Städte in Street View noch gar nicht erfasst. Viele Kommunalpolitiker und Marketing-Verantwortliche der Städte zeigen sich enttäuscht. Virtuell durch die Straßen eines Ortes gehen zu können und sich so vielleicht vorab Lust auf einen Besuch zu holen, ist eine Möglichkeit, die viele jetzt vermissen.

Aber es ist wie immer im Leben: Wer das eine will, muss das andere mögen. Erinnert Ihr Euch an die schier unendlichen Diskussionen über Street View? Was für eine Polemik war das damals. Nur selten wurde SO viel heiße Luft und Zwiebackstaub von sich gegeben, wie im Fall Google Street View. Der Datenschutzverantwortliche von Hamburg erstellte, auch im Namen der anderen Bundesländer, einen Maßnahmekatalog für Google. Dazu zählte unter anderem das Unkenntlichmachen der Häuser vor Veröffentlichung. Ein wahnsinniger Aufwand für Konzern aus Mountain View. Und die Position von Google ist auch verständlich:

So lange es in Deutschland aus Datenschutzgründen die Pflicht zum Vorabwiderspruch gibt, werden wir keine weiteren Städte bei Street View online stellen und auch bestehende Aufnahmen nicht aktualisieren.

 

Also werden auch die in Street View bestehenden Städte in 20 Jahren immer noch so aussehen wie 2010. Ja Wahnsinn!

In Asien und Amerika gibt es jeden Tag Innovationen, die die Welt verändern, die es aber nicht einmal ansatzweise bis nach Deutschland schaffen. Deutschland ist in punkto Internet und Telekommunikation eine der größten Innovationsbremsen. Ich erinnere mich noch an die Anfänge des Internets Anfang/Mitte der neunziger Jahre. Zu der Zeit habe ich in einer 4000-Seelen-Gemeinde östlich von Rostock gewohnt. Während Amerika schon lange E-Mails um die Welt schickte und sich erste multimediale Inhalte aus dem Netz saugte, wusste in Deutschland kaum einer, was dieses Internet überhaupt war. Man konnte es nicht anfassen, weder dran riechen noch davon kosten und sowieso war das alles Zeugs, was man eigentlich gar nicht braucht. Immerhin hatte man im Osten der Republik jetzt schon mal Telefon, also Festnetz. Ich habe damals bei der Ostseesparkasse einen Zugang für das Onlinebanking beantragt. Große Augen bei der Sparkasse. Aber man hat sich erinnert, dass da noch Unterlagen im Schank lagen. Und so wurde ich der erste Kunde mit Online-Banking. Einer von rund viertausend Menschen. Online-Banking funktionierte zu der Zeit natürlich noch nicht über das Internet. Das kannte man in Deutschland ja noch nicht. Aber ich habe einen BTX-Zugang bei der Telekom bekommen… und ein Modem mit einer Datenrate von sage und schreibe 2.400 Bit pro Sekunde. Immerhin hatte ich meinen Kontostand schneller als wenn ich zur Bank gelaufen wäre. 🙂

Um so mehr verwundert mich hier die Meinung des Bürgermeisters von Ranis, einer kleinen Stadt in Thüringen. Auch er scheint die Zugkraft von Street View völlig verkannt zu haben. Und er gibt uns gleich mal eine Lektion in der Ausdrucksweise deutscher Kommunalpolitiker.

Ich finde es überhaupt nicht schade, dass die genannte Privatfirma noch keine Detailaufnahmen von Ranis oder von der Burg gemacht und im Internet veröffentlicht hat.

 

Bei der Privatfirma handelt es sich mit großer Sicherheit um Google, ein Konzern, der 52.000 Leute beschäftigt und rund 60 Milliarden Dollar pro Jahr umsetzt. Weil der Laden innovativ ist und in Amerika nicht ständig durch unsinnige Gesetze ausgebremst wird. Eine Welt ohne Google? Na viel Erfolg Herr Gliesing.

Im Gegensatz zu den meisten deutschen Städten ist sogar das Valle Gran Rey ziemlich vollständig in Street View. Und nach der ersten Version von 2011 gibt es sogar schon aktualisierte Bilder aus 2013. So geht das!

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