Blog

Gib den Kalorien ein Zuhause

Fertigprodukte

Dass Kinder und Jugendliche sich anders ernähren als Erwachsene ist kein Geheimnis. Der kindliche Geschmack ist von Natur aus anders, als unserer. Es wäre daher alles andere als richtig, unserem Nachwuchs die Essgewohnheiten von uns Oldies aufzuzwingen. Trotzdem läuft irgendetwas schief bei den Kids. Geht man einmal mit offenen Augen durch die Städte, fällt auf, dass diese heute locker ein paar Kilogramm mehr im Durchschnitt auf den Rippen haben als noch von 20 oder 30 Jahren. Einige davon verbrauchen bedeutend mehr Jeansstoff als ich mit meinen 85 kg. Und DAS ist schon bedenklich. Da fragt man sich, wie Eltern ihren Kindern so etwas antun können.

Sicher. Kinder essen – wenn unkontrolliert – was ihnen schmeckt. Das ist keinesfalls immer gesund. Konkret gesagt: fast nie! Ich persönlich mache hierfür Industrie und Handel mit ihrem immer breiteren Angebot an „ungesunden“ Lebensmitteln verantwortlich. Aber auch die Eltern, die oft, um ihre Ruhe zu haben, den Forderungen der Kids viel zu schnell nachgeben. Oder sie wissen es nicht besser, da viele als „gesund“ beworbene Produkte langfristig wahre Gesundheitskiller sind. Falls Ihr westlich der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze aufgewachsen seid, könnt Ihr Euch vielleicht nicht in das damalige Leben hier im Osten hinein versetzen. Denn soooo viel anders war es eigentlich gar nicht.  🙂 Wir haben anders gelebt, aber nicht unbedingt schlechter. Gut, es gab einige ernst zu nehmende Probleme – politisch und wirtschaftlich. Aber die gab es im Westen auch. Sie waren nur anderer Natur.

Die Ernährung hier war in erster Linie von dem kleineren Angebot an Lebensmitteln geprägt. Es war nicht so, dass es die nicht gab. Doch, die gab es schon und sogar um einiges preiswerter. Aber Obst und Gemüse kamen oft direkt vom Feld oder aus dem Garten in die Gemüseläden oder Kaufhallen – ungewaschen und unbehandelt. Die Süßwarenregale waren um einiges kleiner als heute und was es da gab, war ziemlich teuer. 3,85 Mark für eine Tafel Schokolade war schon heftig für das damalige Lohnniveau. Ich kann mich erinnern, dass ich mitunter wochenlang keine Süßigkeiten gegessen habe. Manchmal kam dann der Jieper. Dann hab ich den Nudossi-Becher ausgelöffelt oder das Sparschwein geknackt und mir irgendwas Süßes gekauft. Ähnliches passierte Weihnachten und Ostern. Da waren ja die Teller und Nester übervoll. Und genau so schnell leer, wie die Kids heute 10 Euro für Hamburger und Cola ausgegeben haben.
Was in ostdeutschen Läden fast vollständig fehlte, waren die ganzen „künstlichen“ Industrielebensmittel. Tütensuppen, Soßenbinder und Fertiggerichte gab es so gut wie gar nicht. Wenn gekocht wurde, dann ohne all diese ungesunden Hilfsmittelchen, die wir heute so benutzen. Da schließe ich mich auch gar nicht aus.

Inzwischen verfallen wir immer mehr in tägliche Hektik. Wir sind von unserem eigenen Leben überfordert. Das macht sich natürlich auch in den Essgewohnheiten bemerkbar. Wenn wir überhaupt noch Zeit zum Kochen haben, dann muss es schnell gehen. Für fast jedes Gericht gibt es irgendein Fix – Fix für Gulasch, Fix für Rouladen. Dabei bräuchte man sich nur eine halbe Stunde mehr Zeit nehmen und könnte so die meisten Gerichte auf ganz althergebrachte Art und Weise zubereiten. Aber diese Zeit können oder wollen wir uns irgendwie nicht mehr nehmen. Meine Oma kam aus Bayern und DIE konnte kochen, also noch so richtig geile Sachen. Hätte ich ihr eins von diesen Fix-Tüten mitgebracht, sie hätte mir das Zeug um die Ohren gehauen. Und eine in die Backen hätte es hinterher extra noch gegeben. 🙂

Für viele der übergewichtigen Kinder sind wir als Eltern selbst verantwortlich. Weil wir es nicht geschafft haben, Ess-, Trink- und Bewegungsgewohnheiten in die richtigen Bahnen zu lenken. Oft überlassen wir die Kids sich selbst und merken gar nicht, was hinter den Kulissen abgeht. Gerade in einer Zeit der Reizüberflutung durch Werbung und in der Sport in erster Linie ein Fernsehprogramm oder eine App ist, müssen wir einfach mehr Verantwortung an den Tag legen. Auch die Kommunen und Länder sind hier in der Pflicht. Denn unsere Kinder steuern in eine sehr ungesunde Zukunft. Und ich mag gar nicht an die Zeit denken, wenn ihr Körper diese Lebensweise nicht mehr so einfach kompensieren kann. Wir züchten eine kranke Generation heran, gleichzeitig verschieben sich Renten immer weiter in das höhere Lebensalter. Viele unserer Kinder werden ihre Rente gar nicht mehr erleben. Und das kann Eltern nicht egal sein.

Zum Kommentieren klicken

Schreibe einen coolen Kommentar

Nach oben
%d Bloggern gefällt das: